– am nächsten Tag kommen Menschen zum ersten Sehtest ihres Lebens
Jahresbericht 2025 der EinDollarBrille: millionste Brille ausgegeben, 272.000 Menschen versorgt und von nationalen Gesundheitssystemen zunehmend als Partner mit tragfähigem Konzept anerkannt
München/Erlangen, 30.07.2026 – Zum World Sight Day letzten Jahres wird der Marktplatz von Koudougou in Burkina Faso zur Bühne. Ein Theaterforum zeigt mit Humor und Einfühlungsvermögen, was Augenerkrankungen im Alltag bedeuten und welche Stigmatisierung daraus entstehen kann. Und es bleibt nicht bei Applaus: Am nächsten Tag kommen zahlreiche Menschen zum Sehtest – viele davon zum ersten Mal in ihrem Leben.
In dem Moment, in dem jemand merkt ‘Ich muss mich nicht länger schämen. Ich kann Hilfe bekommen. Und es gibt einen Weg.’ – beginnt die Arbeit der EinDollarbrille. Aus Aufklärung wird Handlung. Aus einer Begegnung wird Versorgung.

Die Ergebnisse 2025 zeigen, wie die Organisation die Herausforderung der „Letzten Meile“ in der Augengesundheit systematisch schließt: mit lokalen Teams, mobilen Augencamps, Ausbildung, Weiterentwicklung digitaler Tools und enger Zusammenarbeit mit staatlichen Partnern. 2025 wurden in 11 Programmländern rund 272.000 Menschen mit Brillen versorgt. Etwa 755.000 Menschen profitierten von kostenlosen Sehtests, knapp 7.000 Menschen wurden durch Unterstützung bei Katarakt-Operationen vor dem Erblinden bewahrt. Gleichzeitig erreichte die EinDollarBrille einen Meilenstein: die millionste Brille seit Gründung. Auch organisatorisch stellt sich die EinDollarBrille breiter auf: mit der Gründung von GoodVision France und EinDollarBrille Österreich erhöht die Organisation ihren internationalen Bekanntheitsgrad und stärkt das Fundament ihrer Arbeit.
Wirkung, die bleibt: EinDollarBrille wird Teil nationaler Gesundheitssysteme
Was 2025 besonders macht: Die EinDollarBrille wächst nicht nur in Reichweite, sondern in institutioneller Tragfähigkeit. Die Organisation arbeitet eng mit Gesundheitsbehörden zusammen, zunehmend mit Gesundheitsministerien, um nationale Augenversorgungssysteme zu stärken. In Afrika zeigen sich dafür starke Signale:
- Burkina Faso hat das einjährige Ausbildungsprogramm zum GoodVision Technician offiziell anerkannt und in sein nationales Bildungssystem integriert.
- GoodVision Malawi ist die erste und bislang einzige Nichtregierungsorganisation, die vom Medical Council of Malawi zertifiziert wurde.
Parallel wird Versorgung dort verankert, wo Wege weit und Fachkräfte selten sind: In Burkina Faso und Liberia bildet die lokale Organisation Krankenpfleger:innen aus, in abgelegenen Gesundheitszentren Sehtests vorzunehmen und Brillen anzupassen.
Eine Million Brillen, eine Million Geschichten
Hinter den beeindruckenden Zahlen und Meilensteinen stehen vor allem unzählige persönliche Wendepunkte. Gründer Martin Aufmuth beschreibt einen Moment, der diese Dimension greifbar macht: Als ein älterer Mann plötzlich klar sehen konnte, „fingen seine Augen an zu leuchten, er sah seine eigene Hütte, die seines Nachbarn – es war, als würde sich die Welt für ihn neu öffnen“..
Diese Wirkung zeigt sich auch in den Programmen:
- São Paulo (Brasilien): In Zusammenarbeit mit der Stadt wurde ein groß angelegtes Schulprogramm abgeschlossen: mehr als 230.000 Kinder an 567 Schulen erhielten eine vollständige Augenuntersuchung, über 49.000 Brillen wurden ausgegeben.
- Indien: Beim Maha Kumbh Mela gab GoodVision India im Rahmen eines Sozialprogramms der Regierung etwa 30.000 Brillen an Bedürftige aus.
- Nepal: Ein junges Team bringt Sehtests und Brillen ‚dorthin, wo sonst niemand hinkommt egal wie beschwerlich der Weg ist‘.
- Bolivien: Im letzten Jahr wurden 14.416 Brillen ausgegeben und 28.756 Sehtests durchgeführt. Gleichzeitig zeigt das Land, wie EinDollarBrille regional skaliert: Von Santa Cruz aus gehen heute sorgfältig geprüfte Lieferungen auch nach Kolumbien, Peru, Paraguay und Brasilien – Bolivien ist damit ein zentraler Knotenpunkt für die Versorgung in Lateinamerika.
Innovation, die Entfernungen überwindet und Qualität sichert
Um Qualität auch in entlegenen Regionen zu stärken, wird Telerefraktion Bestandteil der GoodVision App: Sie ermöglicht fachliche Unterstützung durch Optometrist:innen aus Ballungszentren und verbessert Diagnostik und Versorgung in abgelegenen Regionen. Zudem geht der VALY (Vision Adjusted Life Years) in die Umsetzungsphase – eine von der EinDollarBrille entwickelte Kennzahl, die zeigt, wie stark sich das Sehen durch die Versorgung verbessert und wie lange dieser Effekt anhält.
„Wir haben noch nie so vielen Menschen Zugang zu einer augenoptischen Grundversorgung verschafft wie 2025, gerade in sehr abgelegenen Regionen”, kommentiert Gründer Martin Aufmuth. “Vor allem aber sehen wir, wie wir mit unserer Arbeit das Angebot von Gesundheitssystemen verbessern können. Das erzielt eine Wirkung, von der zukünftig noch sehr viel mehr Menschen profitieren werden.”
Der Jahresbericht 2025 des EinDollarBrille e.V. steht hier zum Download zur Verfügung: edb-jahresbericht-2025_web.pdf.
Sie benötigen weitere Informationen oder wünschen sich ein Interview mit Martin Aufmuth, Gründer des EinDollarBrille e.V.? Melden Sie sich gerne bei uns und besuchen Sie uns auf unserer Website www.eindollarbrille.de.
Über EinDollarBrille e.V. / GoodVision
Über 950 Millionen Menschen weltweit leiden laut WHO-Studie unter einer behandelbaren Fehlsichtigkeit, verfügen jedoch nicht über die Mittel, sich eine herkömmliche Brille zu kaufen. Der EinDollarBrille e.V. wurde 2012 von Martin Aufmuth, dem Erfinder der EinDollarBrille, gegründet und ist als gemeinnützig anerkannt. Die Organisation engagiert sich seit 2012 für eine nachhaltige augenoptische Grundversorgung in Programmländern in Afrika, Asien und Südamerika, v.a. in abgelegenen und strukturschwachen Regionen. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, eine weltweite Versorgung mit günstigen (2 bis 3 ortsübliche Tageslöhne), dabei qualitativ hochwertig und individuell angepassten Brillen zu ermöglichen. Die Materialkosten liegen bei 1 US-Dollar. Durch den Verkauf der Brillen können die lokalen Organisationen einen Teil ihrer Kosten selbst beisteuern. Das Projekt ist spendenfinanziert und umfasst kostenloste Sehtests, Aus- und Weiterbildung von Fachkräften, Herstellung der Brillen, Zugang zu weiterführenden augenmedizinischen Untersuchungen sowie dringenden Augen-OPs mit entsprechender Nachsorge. Ziel ist eine enge Zusammenarbeit mit den Gesundheitsbehörden, um frühzeitige Prävention, Vorsorgeuntersuchungen und Behandlungen für Bedürftige dauerhaft sicherzustellen.